Merkblatt Thema Grenzgaenger aus Italien
21. Januar 2026 - Das neue Grenzgängerabkommen mit Italien, das seit 2024 in Kraft ist, hat bei Arbeitgebern und italienischen Arbeitnehmenden zahlreiche Fragen ausgelöst. Der BGV hat in einem Merkblatt die wichtigsten Informationen in Form eines F&Q sowie nützliche weiterführende Links zum neuen Grenzgängerabkommen zusammengestellt.
Welche Bedeutung haben die Grenzgänger für die Wirtschaft Graubündens?
Für die Wirtschaft in Südbünden von zentraler Bedeutung. In einzelnen Regionen wie dem Oberengadin wird fast jede dritte Arbeitsstelle durch Arbeitskräfte aus dem benachbarten Italien besetzt, bei Bergbahnen und im Tourismus teils sogar jede zweite. Insgesamt arbeiten in Graubünden knapp 11 000 Grenzgänger, über 90 Prozent davon stammen aus Italien, vor allem aus der Provinz Sondrio. Besonders stark vertreten sind sie im Gastgewerbe, im Bauhaupt- und Nebengewerbe, bei Bergbahnen, im Gesundheitswesen sowie im Detailhandel. Die Zahl der Grenzgänger ist in den letzten Jahren stark angestiegen. So hat sie sich seit 2010 mehr als verdoppelt. Der Grund ist die negative demografische Entwicklung und die positive wirtschaftliche Entwicklung. Das höhere Lohnniveau und der starke Franken machen die Grenzregionen zu einem attraktiven Arbeitsort. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist insbesondere nach der Pandemiedeutlich gestiegen. Ohne Grenzgänger könnten zahlreiche Betriebe ihren Betrieb nicht aufrechterhalten, Baustellen kämen zum Stillstand und touristische Infrastrukturen wären nicht funktionsfähig.
Was sind die Auswirkungen für Arbeitgeber?
Für Betriebe bedeutet das neue Grenzgängerabkommen vor allem mehr Unsicherheit bei der Rekrutierung. Die Erfahrungen zeigen, dass erste Grenzgänger vermehrt Auskünfte im Bereich von Besteuerung und Aufenthalt vonseiten der Arbeitgeber wünschen und andererseits, dass es schwieriger geworden ist, neue Grenzgänger zu rekrutieren. Interessierte Arbeitnehmer aus Italien sind kritischer und entscheiden sich vermehrt gegen eine Anstellung in der Schweiz, da sich der finanzielle Aufwand durch Steuern, Fahrkosten und Lebenshaltungskosten weniger lohnt. Besonders betroffen ist das Baugewerbe mit seinem hohen Anteil an Grenzgängern. Hinzu kommt ein erhöhter administrativer Aufwand für Unternehmen, da steuerliche Einstufungen komplexer geworden sind und Veranlagungen länger dauern. Auch wenn der Nettolohn von neuen Grenzgängern spürbar gesunken ist, liegt dieser bei vielen Funktionen in der Schweiz noch immer höher. Vielfach beträgt er weiterhin das Doppelte des Nettolohns für die gleiche Funktion in Italien.